Sie erwarten jetzt sicher, dass es weitere Lesetipps gibt … Wie, nein? Die Überschrift sagt etwas anderes? Richtig gelesen. In dieser Kategorie finden sich ab und zu Ideen, wie man dieses und jenes Schreibphänomen schreibend erproben kann.

Aus Gründen der Lesbarkeit benutze ich nur die Formen eines Geschlechts, wie es mir gerade passt. Gemeint sind jedoch alle Geschlechter.

 

 

Beitrag zum „The Tempest“-Newsletter 10/2019

Schreibkick: Ortsnamen in Phantastik

Um Ortsnamen zu erfinden, kann man sich von der Realität inspirieren lassen. Da gibt es einerseits Städte, die einfach Verben sind. Singen, Essen, Siegen … Warum nicht Laufen, Saufen und Galopp?

Dann kann man Komposita entwickeln: Geht es um Menschen, Trolle oder Zwerge, die mit Gestein assoziiert werden, eignen sich Ortsnamen mit -burg oder -berg, -fels, -stein oder -brocken, wenn man es ein wenig lustig haben will. Geht es eher um blumige Elfenvölker, bieten sich Namen an mit -wald, -feld, -gras oder, sofern sie winzig sind, vielleicht auch -stängel, -zweig oder -blatt. Natürlich sollte man diese Zuordnungen umkehren, wenn es um kriegerische Dunkelelfenvölker oder Kieseltrolle geht.

Andere Möglichkeiten wären beispielsweise Metalle für Zwergen- und Roboterstädte oder -wind für Vogelvölker und andere Freigeister.

Eine dritte Variante ist, sich die anatomischen und sprachlichen Möglichkeiten des fantastischen Volks zu überlegen und danach auszuwählen. Als plakatives Beispiel könnten die Städte eines Schlangenvolks besonders viele Zischlaute enthalten.

Und dazu der Schreibkick: Hilfe beim Setting

Klänge: In einem anderen Kick sprach ich von Bildern, die man sich anschauen kann, um in Stimmung zu kommen (zum Beispiel Schneebilder, wenn man im Hochsommer eine Winterszene schreiben soll).

Filmsounds liefern auch eine gute Inspiration. Schreibt man eine Schlachtszene, kann man sich auf Youtube eine Playlist mit entsprechenden Szenen zusammenstellen, so dass Waffengeklirr, Schreie, Pferde etc. einen passablen akustischen Hintergrund liefern. Sehr einfach funktioniert das natürlich auch für Geschichten auf dem Meer – spätestens seit Fluch der Karibik gibt es eine große Klangpalette für Wasser, Schiffsknarren und dergleichen.

Musik kann generell helfen – ich schreibe zum Beispiel besser piratig und schiffig, wenn ich dazu schunkelnde Piratenmusik höre oder auch meditatives Wellenrauschen oder Plätschern. Und besonders dschungelig wird es mit Urwaldgeräuschen.

Schafft man sich so ein akustisches Setting, fällt das Denken in die entsprechenden Richtungen oftmals leichter. Wenn man hingegen erst gedanklich den Baulärm vor dem Fenster ausschalten muss, wie soll man da das schneeige Knirschen hören, wenn die Protagonisten durch die Winterlandschaft stapfen?

 

Beitrag zum „The Tempest“-Newsletter 10/2019

Schreibkick: Dinge mit anderen Sinnen wahrnehmen 

Wie hört es sich an, wenn das Mordopfer den Einbrecher durch die Wohnung schleichen hört? Wie fühlt sich die kühle Brise an, die dem Fallschirmspringer ins Gesicht schlägt? Sofern man selbst keine wagemutigen Dinge unternehmen möchte oder immer Statisten zur Hand hat, muss man all seine Sinne nutzen. Dazu kann man einen Sinn ausklammern und versuchen, die Umwelt nur mit den anderen wahrzunehmen.

Am einfachsten ist es, das Optische auszublenden: Wenn man ein Geräusch hört, einfach mal nicht umdrehen, sondern überlegen. (Tipp: Geht besonders gut mit Geräuschen, die Haustiere verursachen, Geräuschen im Café oder Wartezimmern.) Das Haptische kann man mit Handschuhen umgehen, wobei man sich dann auf Form, Gewicht oder Ausmaß des Berührungsobjekts konzentrieren kann. Wäscheklammern helfen gegen den Geruchssinn und Ohrenstöpsel oder laute Musik auf den Ohren gegen das Hören der tatsächlichen Umgebungsgeräusche.

NACHTRAG zu 10/2019 (aus meiner persönlichen Erfahrung): Hat man gerade keinen Wüstenwind zur Hand, tut es auch der Fön. Hat man gerade keine Arktis zur Hand, dann stecke man doch einfach mal die Hand ein paar Minuten in den Tiefkühlspinat (für gesundheitliche Schäden haftet jeder selbst). Eiskalt duschen hilft da vielleicht auch, für die Nicht-Memmen unter uns …

 

Beitrag zum „The Tempest“-Newsletter 08/2019

Schreibkick: Weltenbau

Wenn man Welten erfindet, sollten diese umfassend konzipiert sein, damit der Leser richtig eintauchen kann. In der realen Welt bekommt man dazu alle Mittel an die Hand, in allen anderen Universen muss man das selbst machen. Dazu gehört es nicht nur, eine Karte zu zeichnen, auf der man wild mit Bergen, Wäldern und Gewässern um sich wirft.

Selbst wenn man nicht alle Fakten tatsächlich ins Buch schreibt, ist es doch sinnvoll, sie zu wissen, da man sich so natürlicher in seiner eigenen Fiktion bewegen kann. Einen praktischen Leitfaden zum Weltenbau liefert die Internetseite www.weltenbau-wissen.de. Dort kann man sich zunächst einen praktischen Leitfaden mit 84 Fragen zu den Themen Kosmologie und Metaphysik, Geographie und Klima, Ökologie und Biologie, Kulturen und Geschichte, Gesellschaft und Religion sowie Technologie und Magie herunterladen. Hat man die zugehörigen Antworten für seine Welt konzipiert, ist ein erster großer Schritt zu einer umfassenden Fiktion getan.

Auf der Seite wird zudem thematisiert, wie viel Weltenbau nötig ist, welche Grundprinzipien man beachten sollte und welche weiterführenden Links oder Blogseiten es gibt.

NACHTRAG zu 08/2019 (aus meiner persönlichen Erfahrung): Die Welt-Datei zu meinem aktuellen persönlichen Projekt beträgt momentan 27 Seiten und beinhaltet z.B., welche Währung die Leute haben und was auf Kupfer-, Silber- und Goldmünzen der verschiedenen Länder geprägt ist; welche Rituale sie bei welchen Feierlichkeiten haben und wie und warum diese durchgeführt werden; wie Ortschaften im Land und im Nachbarland heißen; welcher Gott für was zuständig ist; welches Ungeheuer welche Körperteile frisst … Und so weiter und so fort.

Macht mir persönlich total Spaß, mich manchmal in solchen Fabulierungen zu verlieren. Und wenn ich sie dann im Roman mal brauche, muss ich meinen Schreibfluss nicht unterbrechen mit langwierigen Überlegungen, welches Spiel sie spielen, wie viel sie für die Getränke in der Bar bezahlen oder wo irgendeine Figur herkommt – ich schaue es schnell nach und weiter geht’s.

 

Beitrag zum „The Tempest“-Newsletter 11/2018 und 08/2019

Schreibkick: Schreibtisch aufs Lieblingsgenre ausrichten

Sofern man ein Lieblingsgenre hat, in dem man meistens schreibt, und dazu einen festen Arbeitsplatz, zum Beispiel den Schreibtisch, kann man diesen auf sein Genre ausrichten, um sofort bei Schreibbeginn in die richtige Stimmung zu kommen. Ein paar Beispiele:

Fantasy. Zunächst ist alles aus Holz. Verschiedenste Bücher stapeln sich in, auf und unter Regalen. Eine Buchstütze, die wie ein alter Globus aussieht. Verschiedene kleine Gegenstände, die vielleicht den Gnomen gehören könnten, die in den Steckdosen hausen. Ein Stapel Papier und, wer es ganz altmodisch mag, vielleicht sogar eine Schreibfeder und Tinte, um sich Notizen zu machen.

Science-Fiction. Eine Schreibtischplatte aus Glas, in der man sich ein riesiges Touchpad vorstellen kann. Roboterhafte, gleichmäßige Anordnung aller Gegenstände im Schreibtischbereich. Bücher sind dort eher nicht zu finden, sondern vielleicht noch ein Handy und ein Tablet und künstlich hergestelltes Schreibgerät, vielleicht ein Block mit Plastikeinband und Kulis oder Textmarker.

Kinderbuch. Möglichst verspielt und bunt. In einer Ecke könnte eine Sammlung an Steinen, Murmeln oder Muscheln liegen, die jeden Fünfjährigen neidisch machen würde (und durch die man auch als Erwachsener mal seine Finger gleiten lassen kann).

Horror. Schon die Schreibtischplatte kann schwarz sein. Vielleicht sitzt auf einer Ecke etwas Haariges (eine Kuschelspinne zum Beispiel), und es finden sich mysteriöse Bücher, die sich nicht öffnen lassen, und vielleicht auch ein Glas mit einer dunklen, undefinierbaren Flüssigkeit.

NACHTRAG zu 07/2019 (aus meinen persönlichen Erfahrungen): Piratenliteratur. Man kann sich eine durchsichtige Schreibtischunterlage auflegen und unter diese eine Karte schieben (aus dem Internet ausgedruckt, mit Feuerzeug die Ränder ausgebrannt) oder Federn, Schmuck oder Piratennippes wie Glitzerdinge, ein interessantes Stück Papier oder Schrift oder schlicht ein bisschen Sand.

 

Beitrag zum „The Tempest“-Newsletter 10/2018 und 05/2019

Schreibkick: Dieselbe Sache einmal wohlwollend und einmal negativ beschreiben

Beim Schreiben geht es manchmal um außergewöhnliche Protagonisten, Perspektiven oder Szenen. Gerade beim Schreiben fantastischer Literatur ist dies wichtig, da es hier oftmals um Perspektiven von Figuren geht, die nicht einmal menschlich sind. Um deren Sichtweise zu verstehen, kann man Situationen, Personen oder Dinge zweimal beschreiben: einmal wohlwollend, einmal gehässig. Wie riecht eine Tonne Müll aus Sicht einer Straßenkatze oder eines frischgeduschten Menschen auf dem Weg zu einem Date?

 

Beitrag zum „The Tempest“-Newsletter 03/2019

Essen und Gerüche

Um sich in Stimmung zu versetzen, eine richtige Szenerie zu entwickeln, sind Essen und typische Gerüche des Setting-Landes hilfreich. Dazu kann man natürlich erst mal in die Küche gehen und schnuppern. Wie riecht es auf dem orientalischen Markt, wenn die Sonne brennt und man vor den Schalen mit Paprika, Kumin und Kümmel steht? Wie riecht frisch gemahlener Pfeffer, und ab wann muss man davon niesen? Welche Bedingungen brauchen diese Gewürze, um zu wachsen, also wie muss es in dem Land aussehen?

Sofern man die Möglichkeiten der eigenen Küche ausgeschöpft hat, kann man ins Restaurant gehen. Nehmen wir asiatisches Essen: Reis. Reisfelder sehen in der Landschaft ganz anders aus als Weizenfelder. Wie hört es sich an, wenn man durch ein Reisfeld läuft? Es raschelt nicht – weniger Grusel –, es platscht viel mehr – mehr Ekel, wenn der Held beispielsweise auf der Flucht ist.

 

Beitrag zum „The Tempest“-Newsletter 08/2018

Schreibkick: Schatzkiste

Wenn man ein besonderes Buchprojekt plant, kann man sich eine kleine Schatzkiste kaufen – gibt’s in Bastelläden – und diese mit inspirierenden Gegenständen füllen.

Beispiel Piratenbuch: Eine Augenklappe, ein Schatz aus Goldmünzen (z. B. Schokotaler) und Edelsteinen (aka Hochzeitstisch-Deko), ein Kompass, ein Logbuch (ein Notizbuch mit marinem Einband, ein Schiff oder eine Landkarte), eine Landkarte (aus dem Internet, gedruckt auf schönes Papier, an den Rändern mit Feuerzeug angesengt) und ein kleines Säckchen voller interessanter Dinge (z. B. schwarzer Sand, Ansammlung verschiedener Samen (aka Vogelfutter), Murmeln, bunte Federn oder andere exotische Gegenstände). Die Augenklappe ermöglicht einem die Piratenperspektive. Vielleicht konzentriert man sich auf mehr Details, weil man nicht mehr dreidimensional sieht, oder man muss das Körpergefühl neu lernen, um den Verlust der dreidimensionalen Sichtweise auszugleichen, oder vielleicht ist man auch einfach generell grantiger, weil das Gummiband der Befestigung nach ein paar Stunden drückt. Der Schatz kann dazu dienen, sich von Lichtreflexionen durch eine Edelsteinlinse inspirieren zu lassen. Für welchen Schatz würde man bis ans Ende der Welt segeln, einen Seesturm bezwingen oder eine Meuterei anzetteln? Besonders inspirierend ist auch das geheimnisvolle Säckchen. Womit ist es gefüllt? Welche Länder hat es durchreist? Ist Zaubersand darin? Magische Samen? Das Geheimnis ewiger Jugend? Ist es gar mehr wert als der Schatz selbst? Und schon ist man mitten in seiner Geschichte und hat quasi den halben Plot bereits im Kopf.

Tipp: Eignet sich auch als Geschenk.

 

Beitrag zum „The Tempest“-Newsletter 05/2018 und 02/2019

Schreibkick: Multimedialität für Stimmung

Um sich in die richtige Schreibstimmung zu versetzen, wäre es natürlich schön, wenn das Wetter mitspielte, weil man leichter über eine vereiste Schneelandschaft schreiben kann, wenn die Sonne nicht vom Sommerhimmel brennt.

Stattdessen kann man sich aber auch Bilderordner zu Jahreszeiten erstellen, durch die man sich vor dem Schreiben klicken kann, um sich in Stimmung zu bringen. Ähnliches kann man für Landschaften machen – zum Beispiel Wüste, Gebirge, Steppe, Tundra, Urwald – oder Klimazonen – zum Beispiel Tropen, Polargebiet – und für alle Dinge, die man unter einem Oberbegriff zusammenfassen kann.

 

Beitrag zum „The Tempest“-Newsletter 02/2018

Schreibkick: Musik und Sprache

Viele Leute hören Musik, während sie schreiben. Sie vermittelt Stimmungen und lässt die Alltagsgeräusche verstummen, so dass der Autor leicht in seine Welt eintauchen kann. Umso spannender ist jedoch die Tatsache, dass Musik erstens selbst eine Sprache ist, die jeder ansatzweise verstehen kann, und zweitens als Filmmusik inzwischen noch leichter verständlich ist. Man kann Musik also noch direkter zum Schreiben verwenden.

Einerseits hilft sie dabei, rhythmisch zu schreiben: Hat man beim Schreiben ein Stück im Dreiertakt auf den Ohren, fallen die Daktylen leichter, bei einem mit Vierertakt die Trochäen. Musik, die einem gefällt, kann hilfreich sein, eine Sprachmelodie zu entwickeln, die einem ebenfalls gefällt.

NACHTRAG zu 02/2018 (aus meinen persönlichen Erfahrungen): Schreibt man Piratendinge, kann man Seemannslieder oder (in meinem Fall) Piratenmetal hören wie Alestorm oder Stormfrun, Stormseeker und wie sie alle heißen, dazu seinen Dreispitz tragen (ich nicht, ich werde dumm mit Hut auf dem Kopf, aber wenn Ihnen das nicht so geht, empfehle ich das!), hilfreich ist auch der Papagei auf der Schulter, der einen am Ohrring pult, oder die Hand in der Dublonenkiste (nach Geschmack können die ja auch aus Schokokaugummi sein).