2021

SCHREIBKICK: Präzision

Beitrag zum „The Tempest“-Newsletter 11/2021

In einem seiner Romane beschreibt der gigantische Terry Pratchett einen Raum, in dem alles braun ist. Achtung Spoiler!

Die Wände sind braun, der Boden ist braun, auf einem Bild an der Wand werden braune Hirsche vor einem ungeachtet der meteorologischen Gegebenheiten braunen Hintergrund von braunen Hunden gejagt … Eine Person kommt herein, dasselbe Spiel mit Schwarz, die braune Phase ist also anscheinend vorbei (und scheinbar auch). Die Figur tritt auf einen Teppich mitten im Raum. Fußnote: Er war braun.

Das ist unglaublich witzig, vor allem, weil man zweimal drauf reinfällt. Aber auch nur, weil man weiß, dass der Autor sicherlich 100 Synonyme für braun hätte benutzen können, wenn er nicht absichtlich schlechten Stil hätte schreiben wollen.

Wie kann man aber so präzise schreiben, dass 100 Synonyme rauskommen? Zum Beispiel mit Vergleichen und Metaphern, die der Farbe eine durch die Figur gefärbte persönliche Note verleihen. Je ungewöhnlicher, desto besser. Rot wie Rosen, Kirschen oder Blut kann man eigentlich nicht mehr benutzen, ist total abgelutscht. Wie wäre es mit dem samtigen Rot der Bluteiche, dem glänzenden, prallen, duftenden Rot von Erdbeeren oder einem für ornithologisch Interessierte attraktiven Hahnenkammrot?

Als Übung kann man sich mal 15 Synonyme für eine Farbe ausdenken, vielleicht auch wie unterschiedliche Figuren das sehen würden (mit unterschiedlichem Geschlecht, Alter, Beruf, Hobbys) .

Für den Anfang: rot, gelb, blau.

Für besondere Herausforderungen: ocker, türkis, lila.

Nonplusultra: Als Interessenspiegel für eine Figur, die Tiere/Klamotten/Autos mag …

Da ich das noch nicht ausprobiert habe, würde mich sehr interessieren, ob ocker und türkis vielleicht sogar leichter zu beschreiben sind, weil eh schon ungewöhnlicher. Auf Zuschriften bin ich gespannt!